Taijiquan (Tai Chi Chuan)

zurück zur Übersicht

1. Die Entstehung des Taijiquan

WolkenhändeDas Taijiquan ist einer der bekanntesten Stile der chinesischen Kampfkunst. Seit Beginn der Verbreitung des Taijiquan, Anfang der Qing – Dynastie, sind nun mehr als 300 Jahre vergangen.
Zur Zeit der 1911-er Revolution war das Taijiquan im Raum Beijing sehr populär. Zu dieser Zeit erhärteten sich Vermutungen, dass der Ursprung des Taijiquan in viel früherer Zeit lag, als man ursprünglich annahm. Es wurden die unterschiedlichsten Interpretationen über den Ursprung und Gründer publiziert. Die verschiedenen Daten reichten vom 17. Jahrhundert über das 15. und 12. bis hin zum 8.Jahrhundert zurück.
Das „Illustrierte Buch über das Taijiquan“ des Yang – Stil, 1921 in Beijing veröffentlicht, eröffnet unterschiedliche Möglichkeiten des Ursprungs. Die Gründer könnten demnach folgende gewesen sein:

1) Zhang Shanfeng, ein reisender daoistischer Priester aus dem Wudang – Gebirge, der im 15. Jahrhundert, zur Wende der Yuan – zur Ming – Dynastie, lebte.

2) Zhang Shanfeng, ein Alchemist gleichen Namens, jedoch anderer Schreibweise. Er stammte ebenfalls aus dem Wudang – Gebirge und lebte während der Regierungszeit des Herrschers Hui Zong, in der Song – Dynastie, im 12.Jahrhundert.

3) Xu Xuanping, ein Erforscher der mystischen Kräfte, der in der Tang – Dynastie, Mitte des 8. Jahrhunderts gelebt haben soll.

Die meisten Bücher über das Taijiquan, die nach 1921 veröffentlicht wurden, erwählten jedoch Zhang Shangfeng, aus dem 15.Jahrhundert, als den wahrscheinlichen Erfinder des Taijiquan.

Chen WangtingTang Hao (1897 – 1959), Meister der Kampfkünste und Erforscher der chinesischen Kampfkunst - Geschichte, gab in den 30-er Jahren des 20. Jahrhunderts öffentlich bekannt, dass laut geschichtlich gesicherter Unterlagen nur Chen Wangting, aus dem Kreis Wen, in der Provinz Henan, als Gründer des Taijiquan in Frage komme könne. Dieser lebte in der Mitte des 17.Jahrhunderts, zur Zeit des Wechsels von der Ming – in die Qing – Dynastie. Tang Hao untermauerte seine Aussage mit folgenden Punkten:

1) In der Abhandlung „Die 32 Formen des Boxens“ welche von General Qi Jiguang (1528 – 1587) verfasst wurde und die alle 16 allgemeinen Volksboxschulen seiner Zeit beinhalteten, wird das Taijiquan nicht erwähnt.
2) Die von Chen Wangting (aus dem Ort Chenjiagou, im Kreis Wen, in der Provinz Henan) kreierten fünf Abläufe des Taijiquan, die Abläufe des Changquan (Langes Boxen) in 108 Bewegungen und die Abläufe der Pao Chui (Kanonenschläge) Kampftechniken, beinhalten 29 der 32 Formen aus General Qi Jiguang´s „Boxrichtlinien“, in denen, wie schon erwähnt, das Taijiquan nicht benannt wird.
3) Qi Jiguang´s „Richtlinien des Boxens“ beginnen mit den zwei Formen „locker gebundene Kleidung“ und „einfache Peitsche“, welche ebenfalls in den Abläufen des Taijiquan zu finden sind.
4) In der Familienchronik der Chen – Familie heißt es zu Chen Wangting: „ Wangting, auch Zhouting genannt, war ein Ritter zum Ende der Ming – Dynastie und ein Gelehrter der Qing – Dynastie. In Shandong war er als großer Meister der Kampfkünste bekannt, der sich allein 1000 „Banditen“ stellte. Er war der Erfinder der Boxformen und Waffenformen des Chen – Stils“.
5) Der Text von Chen Wangting’s „Richtlinien zur Boxkunst“ wurde direkt aus Qi Jiguangs - Texten kopiert.
6) Die ersten beiden Zeilen von Chen Wangting’s „Richtlinien zur Boxkunst“, welche die Hauptcharakteristiken des Tui Shou (Händeschieben) und des Taijiquan beschreiben, fehlen in den Schriften und Aufzeichnungen der großen Generäle Yu Dayu, Qi Jiguang, Tang Shunzhi und Cheng Chongdou aus der späten Ming – Dynastie. Das bedeutet, dass das Tui Shou zu dieser Zeit noch nicht bekannt war.
7) Die Chen – Familien aus dem Ort Chenjiagou erlernten Chen Wangting´s Boxformen, sowie das Tui Shou und gaben die Kampfkunst von Generation zu Generation weiter. Nach der fünften Generationen wurden die Techniken des Chen – Stil zum ersten Mal an Außenstehende weiter gegeben. Yang Luchan (1799 – 1872) aus dem Kreis Yongnian, in der Provinz Hebei, erlernte den Chen – Stil von Chen Changxing (1771 – 1853). Er war es auch, der später aus dem Erlernten den Yang – Stil entwickelte, aus dem sich wiederum einige Zeit später der Wu – Stil formte. Wu Yuxiang (1812 – 1880), aus dem Kreis Yonging, erlernte das Original Taijiquan des Chen – Stil von Yang Luchan und den Zaobao – Stil des Chen – Stil von Chen Qingping. Er verband beide Stile miteinander und kreierte daraus den Wu - Hao – Stil des Taijiquan, aus dem dann später der Sun – Stil abgeleitet wurde. Dies sind die fünf bekanntesten Stile des Taijiquan. Über sie kann man genaue Aussagen bezüglich ihrer Entstehung und Entwicklung treffen.
8) Da General Qi Jiguang schon 1587 starb, also in einer Zeit in der das Taijiquan noch nicht bekannt war, kann es nur bedeuten, dass das Taijiquan ein Boxstil ist, der aus seinen „Boxrichtlinien“ entwickelt wurde, oder vielmehr „Die 32 Formen des Boxens“ für sich verwendet


Chen Jia GouDie abschließende Erkenntnis aus den 30iger Jahren war, dass das Taijiquan von Chen Wangting, aus dem Ort Chenjiagou, im Kreis Wen, in der Provinz Henan, kreiert wurde.
In den 60´iger Jahren des 20. Jahrhunderts, in Folge der Entdeckung neuer historischer Daten, wurde die Entstehung des Taijiquan spezifiziert. Sie wurde in die Zeit um 1660 – 1670 datiert, ca. 20 Jahre nach dem Sturz der Ming – Dynastie. Nach den Aufzeichnungen verschiedener historischer Dokumente (Jahrbücher der Huaiping Präfektur; Jahrbücher des Kreises Wen; Jahrbücher des Kreises Anping) war Chen Wangting Anführer ziviler Truppen im Kreis Wen. Dem Kreismagistrat Wu Conghui unterstellt, verteidigte er drei Jahre vor dem Sturz der Ming – Dynastie das Gebiet gegen herumstreunende Banditen. Nach dem Fall der Ming – Dynastie zog sich Chen Wangting, beeinflusst vom Daoismus, aus dem gesellschaftlichen Leben zurück und verbrachte die restlichen Jahre seines Lebens in Abgeschiedenheit.

zurück zur Übersicht

2. Die kreativen Entwicklungen im klassischen Taijiquan