Shaolin Liuhemen - das Boxen der sechs Harmonien

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Shaolin Liuhemen, “das Boxen der sechs Harmonien“, gehört zu der großen Gruppe der sogenannten „Langfaust“ – Stile der chinesischen Kampfkunst. Es wird im Allgemeinen auch zu den „nördlichen“ Stilen gezählt, obwohl es auch im Süden Chinas sehr verbreitet ist. Es ist ein Bestandteil der traditionellen Shaolin Kampfkunst. Das traditionelle Shaolin teilt sich in drei wesentliche Hauptrichtungen auf: in das Hong Jia Shaolin, welches hauptsächlich als hart eingestuft wird, in das Kong Jia Shaolin, welches als hauptsächlich weich eingestuft wird und in das Yu Jia Shaolin, welches als hart – weich eingestuft wird. Die Richtung des Yu Jia Shaolin unterteilt sich noch einmal in vier technische Schulen. Diese sind Da Sheng Men, Luo Han Men, Er Lang Men und Wei Tuo Men. Das Shaolin Liuhemen ist ein Stil der Wei Tuo Men Schule des Shaolin Wushu.
Der Stil soll in der Ming Dynastie entstanden sein. Wann und von wem er genau entwickelt wurde ist leider nicht überliefert. Jedoch kann man die Geschichte des Stils bis in die Qing Dynastie zu dem berühmten Kampfkunstmeister Liu Shijun, aus der Provinz Hebei, Kreis Xiong zurückverfolgen. Er unterrichtete Kampfkunst am kaiserlichen Hof. Er gab das Liuhemen an Liu Dekuan weiter. Liu stammte aus der Provinz Hebei, aus dem Kreis Cangzhou. Meister Liu spezialisierte sich auf das Liuhemen und erreichte ein außergewöhnliches Niveau. Besonders in der Speerkunst, dem Liuheqiang, war sein Können unübertroffen, was ihm auch den Spitznamen „Cangzhou Speergott Liu“ einbrachte. Meister Liu gab seine Kunst an Zhao Xinzhou weiter. Dieser war ebenfalls Ausbilder der kaiserlichen Garde und später unterrichtete er an der Landwirtschaftsuniversität in Beijing Kampfkunst. Anfang des 20.Jahrhundertss traf er auf seinen wohl heute berühmtesten Schüler: Wan Laisheng.  Meister Wan kombinierte den Stil später mit einem weiteren Stil, dem „natürlichen Boxen“ – Ziranmen welches er von dem bekannten Meister Du Xinwu erlernte und kreierte daraus das heute immer bekannter werdende „Liuhe Ziranmen Gongfu“. Meister Wan wurde in ganz China berühmt als er 1928 das erste nationale Vollkontaktturnier gewann, welches damals vom ersten offiziellen Institut für Nationale Künste – Zhongyang Guoshu Guan – in Nanjing unter der Leitung von General Zhang Zhijiang, veranstaltet wurde. Später unterrichtete er dann am Institut bis er sich schließlich in der Provinz Fujian niederließ um dort den Rest seines Lebens zu verbringen und weiter zu unterrichten. Er schrieb viele Bücher über traditionelle chinesische Kampfkunst und traditionelle Medizin, welche auch heute noch zu Standartwerken der jeweiligen Gebiete zählen. Er gab sein Wissen an seine Schüler weiter und brachte einige heute sehr angesehene Kampfkünstler und Meister hervor wie z.B. Liang Chaoqun, Liu Deming, Liang Shouzhong etc.
Ursprünglich bestand das Liuhemen aus 24 Formen. Diese umfassten Boxformen, Partnerformen, Säbeltechnik, Speertechnik, Schwerttechnik, Stocktechnik und Waffenpartnerformen. Außerdem gab es noch verschieden festgelegte Kampfmethoden und Taktiken, welche außerhalb der Formen unterrichtet wurden. In den Formen gibt es einen deutlichen Wechsel zwischen Lang und Kurz und zwischen Hart und Weich, was letztendlich auch den Rhythmus und die spezielle Charakteristik des Stils ausmacht. Der Stil folgt der Liu He – Theorie, der Theorie der Sechs Verbindungen. Sie bildet die theoretische Grundlage und spielt eine wesentliche Rolle für ein tieferes Verständnis des Stils und der gesamten Kampfkunst im Allgemeinen. Diese Theorie umfasst drei innere und drei äußere Verbindungen. Die inneren Verbindungen beinhaltet die Kultivierung von Jing, Qi, Shen – der Essenz, der Energie und dem Geist. Die äußeren Verbindungen sind die Verbindung von Hand, Auge und Körper. Diese spiegelt sich in dem folgenden Ausspruch wieder:
„Die Augen leiten den Geist, der Geist leitet das Qi, das Qi leitet den Körper, der Körper leitet die Hände, die Hände gehen mit den Füßen, die Füße gehen mit der Hüfte.“
Das Shaolin Liuhemen ist stark und kraftvoll; hart und weich ergänzen sich. Die Kopfbewegungen sind frei, schnell und aufmerksam, der Körper zieht sich zusammen in der Verteidigung und öffnet sich im Angriff. Wenn ein Teil des Körpers sich bewegt, bewegt sich der ganze Körper. Wenn ein Teil des Körpers still ist, ist der ganze Körper still. Bewege dich, wenn der Gegner sich bewegt und bewege dich dann wie eine Lawine. Dies sind die Charakteristiken des Shaolin Liuhemen.

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